Kühlteich Hohenau – konnte ein Vogelparadies gerettet werden?

Eine kleine Historie
In den 1960ern wurden von der Zuckerfabrik sogenannte Anlandebecken für den anfallenden Rübenschlamm und der Kühlteich für die Klärung und Abkühlung des bis zu 30 Grad warmen „Rübenwaschwassers“ angelegt. Diese Schlamm- und Wasserflächen stellten bald für zahlreiche Wasservögel und Limikolen wichtige Rastplätze auf ihrem Zug sowie Winterrastplätze dar. Ein positiver Nebeneffekt der Zuckerproduktion, sind doch viele solcher Feuchtlebensräume rar geworden.
Die „Rübenkampagne“ dauerte von Oktober bis Dezember. Während dieser Zeit wurde der 17 Hektar große Kühlteich mit dem warmen Abwasser beflutet und stellte so die oft einzige eisfreie Wasserfläche dar. Bis zu 5.000 Enten und 10.000 Gänse konnten hier gezählt werden. Der Teich stellte demnach den bedeutendsten Winterrastplatz für Wasservögel im March-Thaya Raum dar!

Vogelparadies durch Menschenhand
Dem Engagement des Vereins AURING ist es zu verdanken, dass der Wasserstand im Teich mittels eines mit der Zuckerfabrik Hohenau abgestimmten Plans immer optimal den Ansprüchen der Vögel entsprechend angepasst werden konnte. Der Kühlteich wurde folglich das ganze Jahr über von zahlreichen Vogelarten, darunter auch vielen seltenen und gefährdeten Arten wie der Flussseeschwalbe oder dem Schwarzhalstaucher, nicht nur als Rastplatz, sondern auch als Bruthabitat genutzt.

Paradoxer amtlicher Naturschutz
Anfang 2006 wurde der Betrieb der Zuckerfabrik Hohenau jedoch geschlossen. Der Verein AURING ging sofort in Gespräche mit dem Grundbesitzer, der Naturschutzbehörde, der Zuckerfabrik und den Anrainergemeinden, um den Kühlteich langfristig zu sichern.
Die Verhandlungen mit der Naturschutzabteilung des Landes Niederösterreich wonach die Pacht, das Management und die Pflege des Kühlteichs aus den Mitteln des Naturschutzbudgets gedeckt werden könnten, verliefen jedoch erfolglos. Auch das Lebensministerium stand für eine Finanzierung nicht zur Verfügung. Schon einst wurde die Bedeutung des Kühlteichs für bedrohte Vogelarten ignoriert, indem die Fläche des Kühlteichs bei der Ausweisung des NATURA-2000 Gebiets March-Thaya-Auen nicht in das Gebiet mit aufgenommen wurde. Nun wurden wieder unnachvollziehbare Entscheidungen seitens des Landes getroffen!

Die für die Erhaltung des Vogelparadieses Kühlteich bestmögliche Lösung bestand letztlich darin, dass die Firma Karpfen & Co den Kühlteich für die Aufzucht von Wildkarpfen in ökologischer Bewirtschaftungsweise pachtete. Dementsprechend musste der Kühlteich im vergangenen Jahr abgelassen und den Anforderungen eines Fischteichs entsprechend umgestaltet werden.
Die Ironie dahinter: das Geld für die Umwandlung in einen ökologisch betriebenen Fischteich stammt aus dem Naturschutzbudget des Landes Niederösterreich sowie vom Lebensministerium! Der Betrag, der dafür aufgewendet wird, entspricht zudem kaum weniger, als für die ursprünglichen Erhaltungsmaßnahmen verhandelt wurde. Nur dass es sich jetzt um einen Fischteich handelt!

Kooperation Fischzucht und Vogelschutz

Kuehlteich-wird-beflutet

Fischzucht und Vogelschutz müssen sich nicht gegenseitig ausschließen. Um den Kühlteich auch in Zukunft als bedeutenden Rast- und Brutplatz zu sichern, wurden in Kooperation mit dem Verein AURING unter anderem sieben Inseln angelegt, welche von Karpfen & Co und AURING finanziert wurden. Auch ein Amphibienlaichbereich ist geplant.

Anfang Oktober wurde der westliche Teil des Kühlteichs wieder mit Marchwasser beflutet und schon bald fanden sich die ersten Gänse und Enten ein. Fehlt jedoch noch die Finanzierung für eine naturnahe Ausstattung mit Brut- und Rastinseln des größeren östlichen Teils des Kühlteichs. Ob jedoch der Kühlteich ob seiner Fischzucht-gerechten Ausgestaltung ohne Flachwasserbereiche auch in Zukunft noch als Rastplatz für die vielen durchziehenden Limikolen und Schreitvögel dienen wird können, wird sich zeigen.
Nur durch privaten (finanziellen) Einsatz konnte einstweilen verhindert werden, dass ein bedeutender Puzzlestein in der Landschaft der March-Thaya Auen verloren gegangen ist. Das darf im Niederösterreichischen Naturschutz nicht Praxis werden.

Link:
http://www.auring.at/

Fotos:
T. Zuna-Kratky
D. Koch

The Morava-Dyje Platform

Das March-Thaya (MARTHA) Forum

ist eine Kooperationsplattform von WissenschafterInnen, Natur- und Umweltschutzorganisationen, die an March und Thaya aktiv sind. Unser Ziel ist es, eine nachhaltige Entwicklung in der Region voranzutreiben und aktuelle Bedrohungen von der einzigartigen Flusslandschaft im Herzen Europas abzuwenden.

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